SONDERAUKTION BEDEUTENDE IKONEN
AM 11. DEZEMBER 2009
(109) MUTTERGOTTES VON TOLGA (TOLGSKAJA)
Aus zwei Teilen zusammengefügtes Laubholzbrett mit zwei gegenständigen Rückseitensponki
(verloren). Tempera auf Kreidegrund, Nimben und Hintergrund vergoldet. Das in ein blaues
Himation gekleidete Christuskind sitzt auf dem linken Arm seiner Mutter. Es ist fast
aufrecht sitzend dargestellt. Christus hat die rechte Hand um den Hals seiner Mutter
gelegt. Den Kopf drückt er leicht an ihre Wange. Maria weist mit der rechten Hand auf das
Kind. Ihre Linke greift unterstützend nach dem Oberschenkel des Knaben. Die Gottesmutter
trägt ein weinrotes Maphorion über einem blauen Untergewand. Die drei Jungfrauensterne auf
Stirn und Schultern symbolisieren ihre Reinheit vor und nach der unbefleckten Empfängnis.
Die ernsten Blicke des Knaben und seiner Mutter sind wehmütig in die Ferne gerichtet und
verweisen auf den zukünftigen Leidensweg des Christuskindes. Rest., Tafel mit alter und
rest. vertikaler Bruchstelle, am unteren Bildrand mit umfangreicher kyrillischer
Inschrift, 64,5 cm x 51,5 cm.
Russland, 18. Jh.
Der Legende nach erschien die Ikone in der Nacht vom 8. August 1314 dem Bischof von Rostov
Trifon am Ufer der Volga, an der Mündung der Tolga, als er von einer Reise zum Kirillo
Belozerskij Kloster nach Jaroslavl zurückkehrte. Als der Bischof morgens erwachte, fand er
dann die Ikone zusammen mit seinem Bischofstab am anderen Flussufer unter Bäumen vor.
Umgehend begann man an der Stelle mit der Errichtung einer Kirche, die wenige Zeit später
geweiht wurde. Nach einigen Krankenheilungen beschloss man an dieser Stelle das Tolgskij
Kloster und die der 'Einführung Mariä in den Tempel' geweihte Kathedrale zu bauen, in der
die Ikone ihren Platz fand.
Der Bildtypus scheint in Italien in der Frührenaissance ausgebildet worden zu sein und ist
wahrscheinlich ein Werk der toskanischen Malschule zu Pisa vom Ende des 13. Jahrhunderts.
Daher wird heute noch in der russischen Kirche am 8. August das Fest der Erscheinung der
Muttergottes von Tolga gefeiert.
Die Verehrung der Gottesmutter ist ein wesenhaftes Element altchristlicher Frömmigkeit.
Schon früh sind bildliche Darstellungen der Gottesmutter bekannt. Die älteste erhaltene
Darstellung der Muttergottes befindet sich in der Priscilla-Katakombe zu Rom und stammt
aus dem 3. Jahrhundert. Die Kalender- und Legendensammlungen der Russischen Orthodoxen
Kirche nennen mehr als 200 wundertätige Marienikonen. Die Gottesmutter nimmt eine absolut
einmalige Stellung im göttlichen Heilsplan ein, denn nur durch ihre Erwählung konnte die
Menschwerdung Christi Wirklichkeit werden.
€ 5000 ,-