SONDERAUKTION BEDEUTENDE IKONEN
AM 11. DEZEMBER 2009
(11) CHRISTUS PANTOKRATOR (ALLHERRSCHER)
Massives und schweres Laubholz-Einzelbrett. Tempera auf Kreidegrund, Hintergrund
vergoldet. Konturritzung. Von roter Bordüre gerahmte halbfigurige Darstellung des frontal
und statuarisch dem Betrachter zugewandten Christus, der in seiner linken Hand das
geschlossene Evangelium präsentiert und die rechte im Segensgestus erhoben hat. Das Rot
seines Untergewandes (Chiton) wird als Hinweis auf das Blutopfer Christi und damit auf
seine irdische Wesenheit verstanden, während das Blau des Überwurfes (Chimation) auf die
göttliche Natur Christi hinweist. Am oberen Bildrand mit griechischer Inschrift 'IC XC' in
Rot für Jesus Christus. Am Halsansatz links und rechts mit griechischer Inschrift
'Pantokrator'. Besch., unterer Bildrand mit vollständigem Farbverlust bis zur Holzplatte,
rest., 55 cm x 39 cm.
Griechenland, um 1600.
Christus Pantokrator Darstellungen sind seit dem 4. Jahrhundert auf Fresken und Mosaiken
nachweisbar. Der Titel geht auf die Bezeichnung Gottes in der Septuaginta des griechischen
Alten Testamentes zurück, wird aber bereits in der Apokalypse des Johannes christologisch
verstanden: 'Ich bin das A und O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr, der da
ist und da war und da kommt, der Allmächtige' nur als ein Beispiel aus der Heiligen
Schrift.
Die verschiedenen Christus-Darstellungen haben sich aus dem Typ 'nicht von Menschenhand
gemalt' entwickelt. Das Urbild Christi ist das Mandylion. Es beruht auf der Legende des
Tuches von Edessa, in das Christus sein Antlitz drückte und es an den kranken Fürsten
Abgar sandte, um ihn zu heilen. Die nach diesem Abdruck gemalte Ikone, die etwa im 6.
Jahrhundert entstand und im Jahre 944 nach Konstantinopel überführt wurde, ist Urbild für
alle Darstellungen Christi. Aus ihr leitet man die Gewissheit der portraithaften
Ähnlichkeit aller Christus-Ikonen mit dem Menschensohn ab.
€ 20000 ,-