SONDERAUKTION BEDEUTENDE IKONEN
AM 11. DEZEMBER 2009
(159) GOTTESMUTTER VON KAZAN (KAZANSKAJA)
Aus drei Teilen zusammengefügte Laubholztafel mit zwei gegenständigen Rückseitensponki
(verloren). Kovtscheg. Tempera auf Kreidegrund, Nimben vergoldet, Gewänder partiell Gold
gehöht. Brustbild der Gottesmutter von Kazan (Kazanskaja), deren Typus zu den
meistverbreiteten Gottesmutterdarstellungen in der russischen und orthodoxen Ikonenmalerei
und Ikonographie zählt. Das Haupt der Gottesmutter bedeckt ein reich ornamentiertes und
fein gemaltes Maphorion. Sie neigt den Kopf sehr stark dem Kind entgegen. Ihr
Gesichtsausdruck zeigt weibliche Milde und eine traurig-ernste Zärtlichkeit. Rechts neben
ihr steht aufrecht Christus. Er betont die Senkrechte und verbindet somit Himmel und Erde.
Als Emmanuel, der 'Gott-mit-uns', ist er dem Betrachter frontal zugewandt, mit der rechten
Hand segnet er die Menschen. Ränder partiell leicht rest., Tafel leicht geworfen, wohl
ehemals mit Oklad, Mitte links mit kirchenslawischem Titulus, 31 cm x 27 cm.
Russland, 19. Jh.
Nach der Legende erschien die Gottesmutter mehrmals einem Mädchen im Traum und forderte es
auf, den Stadtvätern mitzuteilen, wo ihre wundertätige Ikone vergraben sei. Da niemand der
neunjährigen Matrona glaubte, grub schließlich das Mädchen selbst mit ihrer Mutter und
fand die Ikone am 8. Juli 1579 in Kazan. Die Ikone wurde in die Kathedrale der Stadt
gebracht und dort seitdem von vielen Menschen verehrt und angebetet. Am 22. Oktober 1612
begleitete sie das russische Volksheer, das Moskau von den Polen befreite. Im Jahre 1812
wurde sie gemeinsam mit der Gottesmutter-Ikone von Smolensk im russischen Heer gegen die
Armeen Napoleons mitgeführt. Seit 1721, unter Zar Peter I dem Großen, ist ihr ständiger
Platz in der nach ihr benannten Kathedrale in St. Petersburg. Das Fest der Gottesmutter
von Kazan feiert die Kirche am 8. Juli, dem Tag der Auffindung und am 22. Oktober, am
Gedenktag des Sieges von 1612.
€ 2500 ,-