SONDERAUKTION BEDEUTENDE IKONEN
AM 11. DEZEMBER 2009
(189) MONATSIKONE 'JULI'
Massives, leicht geworfenes, Laubholzeinzelbrett mit zwei gegenständigen Rückseitensponki
(verloren). Tempera auf Kreidegrund, gravierte, vergoldete Blattrankenbordüre, vergoldete
Nimben, vergoldeter Grund, goldgehöhte Gewänder. In vier horizontalen Reihen bildfüllende
Darstellung von Heiligen und orthodoxen Festen des Monats Juli. Folgende Heilige sind
normalerweise in die Festtagsreihe des Monats Juli eingereiht:
· Kosmas und Damian, die Arztpatronen
· Großmärtyrer Prokopij, Heiliger Theophilos
· Großmärtyrerin Eufemia und Heilige Olga
· Märtyrerin Julita und Sohn Kerykos, Fürst Wladimir
· Das Erste Ökumenische Konzil
· Großmärtyrerin Marina
· Prophet Elias
· Arztheiliger Panteleimon
Bildfeld in neuere Holztafel eingefügt, rest., 27 cm x 26 cm.
Russland, 19. Jh.
Kalender-Ikonen waren in Byzanz seit Ende des 10. Jahrhunderts und danach besonders in
Russland verbreitet. Monats-, Halbjahres und Jahresikonen entstanden ursprünglich offenbar
aus dem Widerstreit ritueller Bedürfnisse und räumlicher Möglichkeiten als vorwiegend
praktische (weil platzsparende) Lösungen für den kirchlichen Gebrauch. Im 18. und 19.
Jahrhundert hielten sie Eingang in den profanen Wohnraum, wo sie offensichtlich die
Funktion hatten, ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.
Der Jahreszyklus der feststehenden Feste beginnt in der Orthodoxie am 1. September. Dieses
Datum wurde im Jahre 312, zur Zeit Kaiser Konstantins des Großen, festgelegt. Symeon
Metaphrastes (der Logothet) verfasste im 10. Jahrhundert eine Enzyklopädie, in der er die
Feste und Legenden der Heiligen in zwölf Büchern (für jeden Monat ein Buch) niederschrieb.
Er griff dabei auf ältere Quellen aus dem 6. Jahrhundert zurück und ergänzte selbst einige
Heiligenlegenden. Örtlich gab es große Unterschiede in der Festsetzung des Tages, an dem
ein Heiliger in das himmlische Reich eingegangen war. Es bedurfte mehrerer Kirchensynoden
im Osten wie im Westen, um zu einem mehr oder weniger übereinstimmenden Kalender zu
kommen, wobei die Heiligen der Römisch-Katholischen Kirche nach dem 11. Jahrhundert in die
orthodoxen Kirchenkalender keine Aufnahme mehr fanden und daher nur in Ausnahmefällen auf
Ikonen dargestellt sind. Da an fast allen Tagen mehrere Heilige verehrt werden, ist in den
Menologien die Auswahl auch örtlich und je nach Ländern unterschiedlich getroffen worden.
Die hauptsächliche Anwendung der Kalenderikone ist die monatlich wechselnde Auslage auf
einem Ständer vor dem Ikonostas.
€ 1000 ,-