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SONDERAUKTION BEDEUTENDE IKONEN
AM 11. DEZEMBER 2009
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(49)   GOTTESMUTTER 'LEBENSSPENDENDE QUELLE'
Laubholztafel mit zwei aufgenagelten Rückseitensponki. Tempera auf Kreidegrund, Nimben

vergoldet, partiell vergoldetes Bildfeld, Gewänder mit Golddispersion. Rahmende, goldrote

Bordüre mit Eckrocaillenornamenten in Gold. Partielle Konturritzung. Im Zentrum der

Komposition steht die 'Lebensspendende Quelle' in Form eines mehrfach abgestuften,

terrassenförmigen, goldenen Brunnens, welcher bekrönt wird von der auf einer Wolke

schwebenden Muttergottes. Sie hält in ihrem linken Arm den Christusknaben, der die Rechte

segnend erhoben und mit der Linken die Weltkugel hält. Das Zepter in ihrer rechten Hand

ist Symbol ihrer himmlischen Herrschaft. Aus ihrem Munde ergeht ein goldenes Spruchband

auf den König, der im Hintergrund mit einem Soldaten wandert: 'Es ist von Bedarf und

größter Wichtigkeit, dass auch die Könige näher zu Gott kommen [.].' Flankiert wird die

Gottesmutter von den beiden Erzengeln Michael und Gabriel. Um den goldenen Brunnen der

'Lebensspendenden Quelle' drängen sich Menschen aus den verschiedensten

Gesellschaftsschichten, die hier Linderung ihrer Gebrechen erwarten. Von links nähert sich

der Adel, von rechts der Klerus, während sich das Volk unterhalb des Wasserbeckens

aufhält. Im Hintergrund sind die Stadtmauern von Athen (?) dargestellt. Rechts alter

Dehnungsriss (rest.), Rand und Bildfeld leicht rest., kleinere Farbaufwerfungen im unteren

Bildbereich, rückseitig Holztafel bemalt mit den Leidenswerkzeugen, 59,5 cm x 39 cm.

Griechenland, datiert 1858.

In einer Grotte der Akropolis von Athen, die heute eine Brunnenkapelle beherbergt, war

einst der Raum für rituelle Waschungen des Asklepeions. Der Legende nach hat sich an

diesem Ort Halirrhotios, der Sohn des Poseidon, mit Alkippe, der Tochter des Ares,

vermählt. Die Byzantiner haben dieses antike, beliebte Quellenheiligtum übernommen und der

Gottesmutter 'Lebensspendende Quelle' geweiht. Dieser Titel stammt aus der patristischen

Literatur, wo die Gottesmutter mit dem Epitheton 'Lebenspendender Brunnen' und anderen

ähnlich lautenden Beinamen gepriesen wird. Der ikonographische Typus ist wahrscheinlich

aus Nachbildungen des Marmorreliefs der 'Blachernitissa' in der Photinoskapelle der

Konstantinopler Blachernenkirche, aus deren Händen Quellwasser floß, entstanden.

Ikonen dieses in Byzanz und Griechenland beliebten, in Russland weniger verbreiteten

Bildtypus zeigen die Gottesmutter in einer Brunnenschale sitzend mit dem Christusknaben

vor sich im Schoß. Sie wird daher auch häufig als 'Brunnenmadonna' bezeichnet und ist die

Antwort der ostkirchlichen Marienverehrung auf zahlreiche vorchristliche Quellheiligtümer,

mit denen oft dem Asklepios geweihte Kurbetriebe verbunden waren. Manchmal erscheint die

'Zoodochos Pege' (griech. = Lebensspendende Quelle) als 'Blachernitissa mit durchbohrten,

Wasser spendenden Händen.

€ 4000 ,-
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