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SONDERAUKTION BEDEUTENDE IKONEN
AM 11. DEZEMBER 2009
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(69)   AUFERSTEHUNG UND HÖLLENFAHRT CHRISTI
Laubholz-Einzelbrett mit zwei gegenständigen, konischen Rückseitensponki (verloren).

Kovtscheg. Tempera auf Kreidegrund, Nimben vergoldet. In der vertikalen Achse steht in der

Bildmitte Christus im langen Gewand in einer strahlenden Mandorla auf den zerbrochenen

Türen des Hades sowie einem Dämon. Er befreit die Vorväter (Adam, Eva, Jacob, Abraham,

Isaac etc.) aus der Totenwelt. Jesus greift Adam am Handgelenk und weist den Erlösten, den

Königen, Propheten und Gerechten des Alten Testaments, den Weg ins himmlische Paradies

(rechts). Der Griff um das Handgelenk des Adam symbolisiert nicht nur die erlösende

Befreiung, sondern auch die Gewährung des Schutzes. Die literarische Vorlage stammt von

Nikodemus: Der König der Herrlichkeit "streckte seine rechte Hand aus, ergriff den Urvater

Adam und richtete ihn auf. Dann wandte er sich auch den übrigen zu und sprach: Her zu mir

alle... denn seht, ich erwecke euch alle wieder durch das Holz des Kreuzes [.....]". Am

rechten unteren Bildrand steht der Auferstandene segnend in einer Aureole auf dem

geöffneten Grab, zu dessen Füßen die schlafenden Soldaten lagern. Links von ihm fesseln

zwei Engel den bezwungen Fürsten des Hades. Rechts oben empfängt ein Cherub vor der

Himmelspforte den 'Guten Schächer'. Im Paradiesgarten, der am oberen Bildrand durch eine

Mauer abgegrenzt wird, begegnet links der 'Gute Schächer' den Gerechten des Alten Bundes,

links den Propheten Henoch und Elias.

Verso mit geritzter kyrillischer Widmungsinschrift (ungedeutet). Ecken min. besch. und

rest, kleine Brandstelle am rechten unteren Rand, schönes, flächendeckendes Horizontal-

und Vertikalcraquelé, 31 cm x 21 cm.

Russland, 1. Hälfte 17. Jh.

Die 'Anastasis' (Auferstehung) ist eine der wichtigsten Szenen der Christologie, die in

jeder ostchristlichen Kirche abgebildet sein muss. Das Bild Christi in der Vorhölle bei

der Befreiung von Adam und Eva. Gemeint ist der Moment zwischen Kreuzestod und

Auferstehung. Diese Szene ist theologisch von größter Bedeutung, da sie den eigentlichen

Moment der Erlösung darstellt. Merkwürdigerweise tritt die Darstellung im Westen nur

selten auf. Für die Einstellung der Orthodoxie zu den christologischen Szenen ist es aber

bezeichnend, dass dieses Bild im Vordergrund steht und die 'sentimentalen' Bilder, wie

Kreuzabnahme oder Grablegung und Beweinung, die im Westen zeitweilig so bedeutend sind,

keine große Rolle spielen.

Erstmals aufgetreten ist das Bild der 'Anastasis' in Bildfolgen, welche wichtige

Heilstatsachen hervorheben, also mehr dogmatischen als historischen Inhaltes sind. Schon

früh hat sich die 'Anastasis' zum Oster- und Auferstehungsbild der Ostkirche

herausgebildet.

Die heilsgeschichtliche Bedeutung, die Errettung nicht nur der Voreltern und Gerechten des

Alten Testaments, sondern der Menschheit im Ganzen und die Überwindung des Todes durch das

Erlösungswerk Christi, steht im Vordergrund.

Grundlage der Ikonographie sind die Worte aus dem Glaubensbekenntnis: '[....] abgestiegen

zu der Hölle [....]' sowie das apokryphe Nikodemusevangelium. Das wirkliche Geschehen der

Auferstehung, die leibliche Erhebung aus dem Grabe, wird in den Evangelien nicht

beschrieben. Aber schon im 2. Jahrhundert bekommt dieses zentrale Fest der Christenheit

ein bestimmtes Datum im Jahreslauf zugeordnet, dem eine Fastenzeit vorausgeht und eine

fünftägige 'Freudenzeit' folgt.

€ 2800 ,-
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