Von imperialer Pracht zu MUSEALEN SCHÄTZEN
Erneut vereint diese Auktion eine außergewöhnliche Auswahl bedeutender Werke aus dem orthodoxen Kulturraum – Objekte, die aus Deutschland, ganz Europa sowie aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten ihren Weg in unser Haus gefunden haben. Was sich hier entfaltet, ist ein Panorama höchster Kunstfertigkeit: von Porzellanen der russischen Zarenzeit, einst für den kaiserlichen Hof geschaffen, bis hin zu exquisiten Silber- und Emailarbeiten der legendären Hoflieferanten Chlebnikow, Owtschinnikow und Fabergé – Namen, die bis heute als Inbegriff von Vollendung und Luxus gelten.
Unter den Gemälden begegnen sich zwei Positionen, die gegensätzlicher kaum sein könnten – und gerade darin ihre besondere Spannung entfalten: Iwan Trutnews fein komponierte Szene einer „Beerdigung“, getragen von stiller Würde und akademischer Präzision, gewinnt zusätzliches Gewicht durch ihre frühe Rezeption in der Kunstzeitschrift Niwa sowie ihre belegte Ausstellungsgeschichte. Ihr gegenüber steht die kraftvolle, nonkonformistische Bildsprache Jewgeni Ruchins, in der sich religiöse Tradition und künstlerische Rebellion zu einer eindringlichen, modernen Ikonographie verdichten. Zwei Werke, zwei Haltungen – verbunden in einem Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart, der den Betrachter unmittelbar anspricht.
Einen besonderen Höhepunkt bildet das außergewöhnlich reichhaltige Ikonenangebot, innerhalb dessen seltene und qualitätsvolle Werke des 15. und frühen 16. Jahrhunderts herausragen. Zu den bedeutendsten Beispielen zählt eine Ikone mit den Heiligen Athanasius dem Großen und Kyrill von Alexandrien von musealem Rang. Die mit schwarzen Kreuzen auf weißem Grund gestalteten liturgischen Gewänder scheinen dabei auf überraschende Weise das „Schwarze Quadrat“ von Malewitsch um Jahrhunderte vorwegzunehmen – oder waren Ikonen wie diese womöglich seine Inspirationsquelle?
Nicht minder eindrucksvoll präsentieren sich eine Kreuzigung mit Basma sowie eine monumentale Gottesmutter von Smolensk, ebenfalls von musealer Qualität. Über Jahrzehnte dem Kunstmarkt entzogen, treten diese Werke nun erstmals wieder aus bedeutenden Privatsammlungen hervor – selten, eindrucksvoll und von besonderer kunsthistorischer Relevanz.
So entfaltet der Katalog insgesamt eine faszinierende Reise durch die Jahrhunderte der Ikonenkunst: von archaisch geprägter, volksnaher Malerei bis hin zu kostbaren Arbeiten für den Zarenhof. In den Ikonen des frühen 20. Jahrhunderts, den letzten Jahren der Zarenzeit, wird schließlich ein Wandel sichtbar – hin zu individuell fassbaren Künstlerpersönlichkeiten, die ihre Werke signieren. Ihre emaillierten Oklade leuchten in feinsten Nuancen und greifen die ornamentale Eleganz des Jugendstils in ihrer reinsten Form auf.
Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Entdeckung dieser erlesenen Auswahl. Entdecken Sie die Kataloge online: Katalog 156.1, Katalog 156.2 und Katalog 156.3.