Joxan Iza: Eine Welt der Abstraktion

IM GESPRÄCH MIT JOXAN: INTUITION, ABSTRAKTION UND DIE INNERE LOGIK DER MALEREI

Joxan ist ein zeitgenössischer spanischer Maler, dessen Werk von Intuition, Emotion und den unendlichen Möglichkeiten der Abstraktion geprägt ist. Geformt durch sein Studium an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris und inspiriert von Strömungen wie dem Abstrakten Expressionismus und dem Konstruktivismus, hat er eine unverwechselbare künstlerische Sprache entwickelt, die auf Spontaneität, Materialität und Introspektion beruht. In diesem Gespräch spricht Joxan über prägende Erfahrungen, künstlerische Einflüsse und die Ideen, die sein Schaffen bis heute bestimmen, und gewährt dabei einen seltenen Einblick in die Philosophie hinter seiner Arbeit.

EINE KÜNSTLERISCHE SPRACHE, GEPRÄGT VON ERFAHRUNGEN

Joxan, wie würden Sie sich heute als Künstler vorstellen? Wenn Sie Ihren aktuellen künstlerischen Weg beschreiben müssten – wie würden Sie ihn charakterisieren?

Ich würde mich als Künstler mit vielseitigen Interessen, einer wiedererkennbaren eigenen Bildsprache, einer gereiften künstlerischen Stimme und zugleich mit großem Potenzial für weitere Entwicklungen beschreiben.

Welche Erfahrungen oder Orte haben Ihre Auffassung von Malerei besonders geprägt?

Ohne Zweifel war mein erster Besuch im Musée d'Orsay in Paris ein Schlüsselmoment. Ebenso prägend war meine Aufnahme an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts de Paris. Das Leben in Paris eröffnete mir den Zugang zu einem außergewöhnlichen Netzwerk aus Galerien, Museen, Salons und Kunstmessen in der gesamten Stadt.

Gab es neben Ihrer akademischen Ausbildung Künstler oder Persönlichkeiten, die Sie als Mentoren bezeichnen würden?

Unzählige Künstler und Kunstrichtungen haben mich beeinflusst – die Liste wäre nahezu endlos. Wenn ich einen Künstler nennen müsste, den ich besonders bewundere, dann wäre es Jean Tinguely. Sein Werk, das eng mit der kinetischen Kunst und dem Nouveau Réalisme verbunden ist, fasziniert mich bis heute durch seine Dynamik, seine Unvorhersehbarkeit und vor allem durch seinen spielerischen und zugleich ironischen Charakter.

MALEREI ALS FORM DER INTROSPEKTION

Wie würden Sie Ihr heutiges Verhältnis zur Malerei beschreiben?

Die Malerei ist für mich das natürlichste Mittel der Selbstreflexion. Sie ermöglicht es mir, meine Emotionen zu verarbeiten und tiefer in den Prozess der Individuation einzutauchen.

Wodurch entsteht gewöhnlich der erste Impuls für ein neues Werk?

Eine leere Leinwand enthält bereits jede denkbare Farbe. Mich fasziniert die Möglichkeit, diese Farben Wirklichkeit werden zu lassen.

„Eine leere Leinwand enthält bereits jede denkbare Farbe. Mich fasziniert die Möglichkeit, diese Farben Wirklichkeit werden zu lassen.“ Joxan

Welche Rolle spielt die Intuition in Ihrem künstlerischen Schaffensprozess?

Sie ist von grundlegender Bedeutung. Mein kreativer Prozess beginnt nicht mit einem vorgefassten Bild, sondern mit der Improvisation. Formen, Collagen, Farbe, Geste und Material eröffnen unzählige Möglichkeiten – ein Raum, in dem das Unerwartete entstehen kann und jedes Werk nach und nach seine eigene innere Logik entwickelt.

Was möchten Sie in Ihrer Arbeit derzeit besonders erforschen oder lebendig halten?

Mich interessiert das, was der Vernunft vorausgeht: Emotionen, Erinnerungen und Impulse, die sich erst im Akt des Malens offenbaren. Jedes Werk entsteht aus einem Dialog zwischen dem Bewussten und dem Spontanen und lässt das Bild auf organische Weise wachsen.

Gibt es etwas, das Sie während des Arbeitens bewusst vermeiden oder hinterfragen?

Für mich gibt es eine goldene Regel: Intimität. Ich male ohne Zuschauer und ohne äußere Ablenkungen, die meine Konzentration stören könnten. Es ist eine Form der Begegnung mit mir selbst.

Woran erkennen Sie, dass ein Gemälde vollendet ist?

Ich verstehe ein Kunstwerk als einen Moment der Erkenntnis – einen Raum, in dem sich etwas offenbart. Manche Bilder entfalten ihr volles Potenzial ganz selbstverständlich und vermitteln ein tiefes Gefühl von Klarheit und Erfüllung. Andere verlangen Ausdauer, bevor dieser Moment eintritt.

Was wünschen Sie sich, dass Menschen empfinden oder entdecken, wenn sie Ihrem Werk zum ersten Mal begegnen?

Emotionen, Neugier, Freude und vor allem die Freiheit, das Werk auf ihre ganz eigene Weise zu interpretieren.

MALEREI, SAMMELN UND EINE WELT IM WANDEL

Hat sich Ihr Verhältnis zum Sammeln – oder zur Art und Weise, wie zeitgenössische Malerei heute vermittelt wird – im Laufe Ihrer Laufbahn verändert?

Galerien befinden sich derzeit in einem tiefgreifenden Wandel, da sie sich an technologische Entwicklungen und die sich verändernden Gewohnheiten von Sammlern anpassen.

Ich halte es für wichtig, das klassische Galeriemodell durch Online-Verkäufe und Viewing Rooms zu ergänzen. Auch Kunstmessen interessieren mich sehr – sie schaffen als temporäre Begegnungsorte einzigartige Möglichkeiten für Künstler und Sammler.

Gemeinsam ermöglichen diese Plattformen Künstlern, Sammler auf der ganzen Welt zu erreichen.

In einer Kunstwelt, die sich immer schneller verändert und häufig vom Markt bestimmt wird – wie bewahren Sie Ihren eigenen Rhythmus und Ihre künstlerische Sprache?

Angesichts des rasanten Wandels und der ständigen Veränderungen in der heutigen Kunstwelt vertrete ich keinen besonders orthodoxen Standpunkt.

Die Malerei bleibt für mich das Fundament meines Schaffens. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass neue Technologien wertvolle Werkzeuge sein können. Es ist wichtig, diesen Entwicklungen mit Neugier zu begegnen und mit ihnen zu experimentieren.

Ebenso wichtig ist jedoch mein Atelier, das von der Natur umgeben ist. Sie hält mich geerdet und gibt letztlich den Rhythmus vor, dem ich folge.

Welche Künstler, Bewegungen oder künstlerischen Strömungen stehen Ihrem Werk bis heute besonders nahe?

Der Abstrakte Expressionismus, das Informel, der Konstruktivismus sowie die traditionelle chinesische Malerei begleiten mich bis heute.

Zu den Künstlern, die meinen Weg nachhaltig geprägt haben, zählen Jean Tinguely, Gerhard Richter, Wladimir Tatlin, Alexander Rodtschenko, Sam Francis, Ernst Haeckel – insbesondere seine Lithografien aus Kunstformen der Natur – sowie Constant Nieuwenhuys mit seinem visionären Projekt New Babylon.

DAS LEBEN EINES WERKS AUSSERHALB DES ATELIERS

Wenn eines Ihrer Werke das Atelier verlässt und Teil einer Sammlung wird – was wünschen Sie sich, dass den Menschen bleibt, die täglich mit ihm leben?

Es gibt eine Szene in einem Film der Marx Brothers, in der Groucho mit seinem unverwechselbaren absurden Humor zu seinen Brüdern sagt:

„Unter diesem Haus liegt ein Schatz!“
„Aber dort steht doch gar kein Haus.“
„Dann bauen wir eben eines.“

Ich glaube, dass Kunstwerke genau dieses Haus sind, das über einem verborgenen Schatz errichtet wird.

ENTDECKEN SIE DIE WERKE VON JOXAN

Es ist uns eine Freude, bei Hargesheimer Kunstauktionen eine Auswahl der Arbeiten von Joxan über unsere Buy-Now-Plattform präsentieren zu dürfen und dieses Gespräch mit dem Künstler mit Ihnen zu teilen.

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