Dieses Werk ist im Uecker Archiv mit der Nummer GU.63.115 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker Werkverzeichnis.
GUENTHER UECKER
1930 Wendorf, Mecklenburg - lebt und arbeitet in Düsseldorf
'ROSE' (1963)
Nägel auf Leinwand, auf Holz. 85 x 85 cm (R. 88 x 88 cm). Rückseitig mehrfach signiert und datiert, mit Aufkleber der Ausst. in Auckland 1965 sowie mit handschriftlichem Vermerk 'San Marino Biennale'.
Das 1963 entstandene Werk 'Rose' zeigt mit seiner rosafarbenen Leinwand eines von den wenigen farbigen Nagelbildern von Günther Uecker, die ab 1962 entstehen. Die Arbeit weist eine organische Nagelformation auf, die sich auf der Leinwand mittig nach unten erstreckt. Derartige organische Strukturen sind für die Nagelwerke ab 1962 charakteristisch.
Stilistisch entfernt sich 'Rose' von den anfänglichen Nagelwerken, die noch von einer deutlich strengeren, regelhaften Gliederung geprägt sind und sich an den mathematischen Prinzipien, wie Quadrat, Diagonale und Reihung orientieren. Die freien Nagelformationen lösen diese starren Strukturen auf und erzeugen durch Ballungen, Verdichtungen und variierenden Abständen zwischen den einzelnen Nägeln sowie graduell veränderten Einschlagwinkeln eine rhythmisierte Streuung der Nägel.
Es bilden sich Kreisformationen, Bögen und Spiralen, die in Ihrer Gesamtheit die Werkfläche dynamisch erscheinen lassen. Die Weißung der Nägel lässt ihren Materialcharakter in den Hintergrund treten. 'Rose' wird trotz der zahlreichen Nägel, die in dem körperlichen Akt des Hämmerns die Leinwand geradezu 'verletzen', von einer optischen Zartheit und Poesie getragen, die Honisch zu den 'virtuosesten Lösungen' zählt, die Uecker mit seiner Bildsprache zu finden vermochte. (Vgl. Dieter Honisch, 'Günther Uecker', Stuttgart 1983, S. 93).
Auf der Rückseite des Werkes ist handschriftlich vermerkt, dass das Nagelbild in seinem Entstehungsjahr auf der Biennale in San Marino ausgestellt war. Die IV Biennale Internazionale d'Arte wurde vom 07. Juli bis zum 07. Oktober 1963 im Palazzo del Kursal in San Marino von Giulio Carlo Argan, Motto kuratiert und stand unter dem Motto 'oltre l'informale' (jenseits des Informels).
Günther Uecker gehörte zu den insgesamt zehn deutschen Künstlern, die eingeladen wurden, um die Kunst-Bewegung ZERO auf der Biennale in San Marino zu repräsentieren. Zu den weiteren Künstlern gehörten Gotthard Graubner, Jochen Hiltmann, Oskar Holweck, Manfred Kage, Manfred Kuttner, Heinz Mack, Henk Peeters, Otto Piene, Uli Pohl und Hans Salentin.
Neben ZERO und der italienischen Gruppe N, die bei der Biennale mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden, waren auch die Pariser Groupe de Recherche d'Art Visuel (GRAV) und die spanische Gruppe Equipo 57 in San Marino vertreten.
Die Teilnahme in San Marino bedeutete für ZERO den ersten Auftritt bei einer der großen internationalen Biennalen. Die Gruppe der deutschen ZERO-Künstler wählte für ihre Präsentation einen 'Salon de Lumière', einen abgedunkelten Raum, in dem die verschiedenen Werke der vornehmlich aus Düsseldorf und aus dem Umfeld der Galerie von Alfred Schmela stammenden Künstler gemeinsam inszeniert wurden (vgl. Thekla Zell, EXPOSITION ZERO. Vom Atelier in die Avantgardegalerie, Wien 2020).
Ein Klebetikett auf der Rückseite des Werkes verweist zudem darauf, dass das Nagelbild 'Rose' Teil der Ausstellung 'Contemporary painting in Germany' war, die von der Auckland City Art Gallery for the Queen Elizabeth II Arts Council von Mai bis August 1965 in Auckland, Neuseeland gezeigt wurde.
Zu den dort präsentierten Künstlern gehörten unter anderen Peter Brüning, Heinz Mack, Otto Piene, Emil Schumacher und Hann Trier. In dem begleitenden Katalog wird das Werk Ueckers neben den beiden Werken 'Regenbogen' (Honisch WVZ Nr. 251) und 'Graues Phantom' (Honisch WVZ Nr. 236), beide aus dem Jahr 1962, aufgeführt.
In seinem Textbeitrag zum Katalog schreibt der Kunstkritiker John Anthony Thwaites:
"All diese Maler, so individuell sie auch sind, entsprechen in gewisser Weise den von außen kommenden Tendenzen. Nur eine Gruppe hat tatsächlich dazu beigetragen, eine supranationale Tendenz zu begründen. Heinz Mack, Otto Piene und Günther Üecker [sic!] sind Freunde, Co-Herausgeber und Anführer der neuen Bewegung deutschen Ursprungs seit den letzten vierzig Jahren. [...] Er [Uecker] hat sich von einer fast mathematischen Abstraktion über eine naturnahe Phase hin zu Lyrik und Fantasie entwickelt. Er ist der Dichter der Gruppe." (vgl. Anthony Thwaites, Einführungstext, in: Ausst. Kat. Auckland 1965, o.S.).
Literatur: Ausst.-Kat. Auckland 1965, »Contemporary Painting in Germany«: eine von der Auckland City Art Gallery für den Queen Elizabeth II Arts Council organisierte Ausstellung, Mai–August 1965, Auckland, Neuseeland 1965; Dieter Honisch, »Günther Uecker. Werkverzeichnis«, Stuttgart 1983, S. 189.
Ausstellungen: IV Biennale Internazionale d'Arte, Palazzo del Kursal, San Marino, 7.7. - 7.10. 1963; 'Contemporary painting in Germany': an exhibition organized by the Auckland City Art Gallery for the Queen Elizabeth II Arts Council, Auckland, New Zealand, Mai-August 1965.
Dieses Werk ist im Uecker Archiv mit der Nummer GU.63.115 registriert und wird vorgemerkt für die Aufnahme in das entstehende Uecker Werkverzeichnis.
Provenienz: 1974 direkt beim Künstler erworben, seitdem Privatsammlung Nordrhein-Westfalen.
| Seller | Admin |
|---|---|
| Zustandsbericht | Overall good condition |
| Kategorie – Technik | Nägel auf Leinwand, auf Holz montiert |
| Künstler | Günther Uecker |
| Unterzeichnet | Yes |
| Sichtbare Bildhöhe (cm) | 85 |
| Sichtbare Länge des Gemäldes (cm) | 85 |
| Rahmenhöhe (cm) | 88 |
| Rahmenlänge (cm) | 88 |
| Gerahmt | Ja |
| Epoche / Kunstbewegung | Contemporary |
Rose
1963, Deutschland
Rose, um 1963
Nägel auf Holz
85 × 85 cm