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8DIE ENTHAUPTUNG DES HEILIGEN DIONYSIUS (FLÜGEL AUS RETABEL) Auction: 61

Artist:
SÜDDEUTSCH-SCHWEIZERISCHER RAUM
 
Meister tätig, um 1460
Title:
DIE ENTHAUPTUNG DES HEILIGEN DIONYSIUS (FLÜGEL AUS RETABEL)
Technique:
Tempera auf Nadelholz, Gewand und Nimbus partiell punziert
Dimension:
57,5 cm x 51,5 cm

Reserve price:
10.000,00 EUR

EUR*





SÜDDEUTSCH-SCHWEIZERISCHER RAUM Meister tätig, um 1460 DIE ENTHAUPTUNG DES HEILIGEN DIONYSIUS (FLÜGEL AUS RETABEL) Tempera auf Nadelholz, Gewand und Nimbus partiell punziert. 57,5 cm x 51,5 cm. Part. leicht rest. Rahmen später ergänzt. Expertise: Umfangreiches schriftliche Stellungnahme von Frau Dr. Anna Moraht-Fromm vom Dezember 2014 in Kopieform beigefügt. In ihrer schriftlichen Stellungnahme schreibt Frau Dr. Moraht-Fromm: 'Diese Darstellung der Enthauptung des Hl. Dionysius darf als selten bezeichnet werden. In den allermeisten Fällen wird der Heilige das Haupt vor sich tragend (oder auf einem Buch liegend) dargestellt [...]. Er habe - wie die Legende es berichtet - auf dem Richtplatz am Montmartre sein abgeschlagenes Haupt aufgenommen, habe es in einer nahegelegenen Quelle gewaschen und sei mit dem Kopf in den Händen sechs Kilometer Richtung Norden gegenangen, bis zu der Stelle, wo er begraben werden wollte, dort wo später die nach dem Heiligen benannte Abtei mit der Basilika Saint-Denis entstand. Daraus darf geschlossen werden, dass die Tafel ursprünglich zu einem besonders vielteiligen und ausführichen Bericht über das Leben und Leiden des Heiligen gehörte. Die Ausrichtung der Komposition spricht für den linken Flügel eines Reatabels. Geschildert wird der Moment kurz nach der Enthauptung durch den Henker, der gerade dabei ist, sein blutiges Schwert wieder in die Scheide zu stecken. Den mittelalterlichen Kleiderordungen entsprechend, ist der Scharfrichter mit rotem Wams, grünen Stulpen und weißem Schurz besonders auffällig gekleidet. Nur drei der übrigen Figuren entsprechen dem darstellerischen Kanon. Mindestens zwei von ihnen gehören traditionell nicht in die Szene. Dionysius ist - wie stets - in bischöflicher Tracht aus Kasel und Mitra dargestellt. In Gebetshaltung mit dem abgeschlagenen Haupt vor sich kniet er vor einem Mann, der unter einem mit Brokat ausgestatteten Thronbaldachin sitzt. Der Mann in hermelinbesetztem Brokatenem Gewand trägt an den Füssen über den zeitgenössischen roten Schnabelschuhen des 15. Jahrhunderts die Trippen [...], eine Art hölzernen Unterschuh, der beim gang durch die Stadt vor Verschmutzungen schützen sollte (hiervon abgeleitet das Trippeln). Das Zepter in seiner Rechten wie auch die Krone auf seinem Haupt zeichnen ihn als König aus, doch kann es sich bei ihm nur um den römischen Statthalter Fescenius handeln, der die Verhaftung von Dionysius und seinen Begleitern Rustikus und Eleutherius vor den Toren von Paris anordnete. Diese beiden Begleiter dürfen wir in den Figuren wiedererkennen, die rechts (heraldisch links) vom Thron hintereinander stehen. Im Hintergrund drängt sich eine Menschenmenge aus den Fensteröffnungen eines Biforiums und folgt teils neugierig, teils mit Entsetzten den Erläuterungen eines Mannes zu den Geschehnissen vor ihnen. Wer aber sind die beiden sitzenden männlichen Figuren zu beiden Seiten des Throns? Ihr Habit weist sie als Geistliche aus. Beide halten Bücher in ihren Händen, wobei derjenige links vom Statthalter wohl eine höhere Position vertritt. Er stützt seine Rechte auf vein in einem roten Beutel verwahrtes Buch. Der am linken Bildrand sitzende Mann, der das Geschehen anhand der vor ihm auf dem Schoß liegenden Schrift zu verfolgen scheint, kann aufgrund seines weißen Skapuliers als Dominikanermönch (ohne schwarze Kappa) identifiziert werden [...] Überhaupt sind alle beteiligten Figuren in einer Form der Bedeutungshierarchie voneinander unterschieden. Der Scharfrichter wirkt in dieser Szene des letzten Martyriums als der größe unter den Figuren. [...] das hier vorgestellte Vergleichsbeispiel eines Johannes des Täufers [...], zu dem wir eine stilistische Nähe sehen - stammt von einem zeitgleich wirkenden, schweizer Maler. Mit ihm verknüpft sich die Tafel, nach denen er seinen Notnamen erhielt: Meister der Kreuzfindungslegende. Sie befindet sich heute im Landesmuseum in Zürich. Gleichwohl darf hier von einer stilistischen Nähe gesprochen werden. Vergleichbar sind die länglichen Gesichter, das starre Faltenwerk und die Gestik der Hände. Das der Auftraggeber aus dem Dominikanerorden stammen könnte, wie oben bereits angedeutet, spricht nicht dagegen, denn schon 1230 entstand in Zürich das erste Dominikanerkloster im Gebiet der heutigen Schweiz. Insgesamt wurden hier neun Dominikanerkonvente und neunzehn Dominikanerinnenklöster gegründet. Zeugen der dominikannischen Präsenz in der Schweiz blieben bis heute in den Predigerkirchen Zürich, Basel, Bern und Coppet erhalten.'

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