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2500HEILIGE FAMILIE, 1522 DATIERT Auction: 70

Artist:
IN KÖLN (?) TÄTIGER MEISTER
 
Datiert 1522
Title:
HEILIGE FAMILIE, 1522 DATIERT
Technique:
Tempera auf Eichenholztafel (aufgelegte Parkettierung)
Dimension:
36 cm x 38,5 cm

Reserve price:
12.000,00 EUR


Hammer price:
7.000,00 EUR (UV)

EUR*





"IN KÖLN (?) TÄTIGER MEISTER HEILIGE FAMILIE, 1522 DATIERT Tempera auf Eichenholztafel (aufgelegte Parkettierung). 36 cm x 38,5 cm. Links und rechts unten auf der Flanke der gotischen Steinbank jeweils monogrammiert und datiert: '1522 IIeV' (ungedeutet). Part. min. altrest. Rahmen aus dem 19./20. Jh. Provenienz: Alte rheinische Privatsammlung; Kunstauktionen Neumeister München, Auktion 200, vom 18./19.02.1981, lot 659 dort als Meister von Cappenberg. ""Beschreibung: Vor hellblauem Himmel hat sich auf und um einen Thron die Heilige Familie eingefunden. Neben Joseph, der neben der linken Thronwange hinter Maria mit dem Jesuskind steht, sind rechts Marias Eltern Anna und Joachim zu sehen. Die Frauen sitzen wie bei einer Anna-Selbdrittgruppe angeordnet auf einem Holzthron, über dessen Lehne ein grünes Ehrentuch gebreitet ist.2 Über dem Jesuskind ist die Taube des Heiligen Geistes zu sehen. Die kleinen Landschaftsausschnitte im Hintergrund mit Türmen und Bäumen sind in Blaugrüntönen gehalten. Datierung: Die Tafel ist auf der linken Thronwange 1522 datiert.3 Ähnliche Zeichen sind auch an derselben Stelle der rechten Thronwange zu erkennen. Bei den zwei kleinen horizontalen Balken und dem feinblättrigen Ornament rechts davon könnte es sich um ein Künstlermonogramm handeln. Möglicherweise sind diese Zeichen aber auch als ornamentales Pendant zur Jahreszahl zu verstehen. Vorlagen und geographische Einordnung: Es ist gut erkennbar, dass die Komposition sowie verschiedene Motive bereits in früher entstandenen Holzschnitten und Kupferstichen anderer Künstler vorgebildet sind. Zahlreiche Maler und Holzschnitzer benutzten die Druckgraphik von Kollegen, wie Martin Schongauer, Abrecht Dürer und anderen Stechern, wie ein Musterbuch. Manches Mal wurde der gesamte Stich in die Malerei oder auf die Skulptur übertragen und farbig ausgeführt, manches Mal nur einzelne Elemente daraus. Eine ähnliche Komposition der dargestellten Figurengruppe ist von dem 1503 in Bocholt verstorbenen Kupferstecher Israhel van Meckenem bekannt.4 Auf dem mit seinen Initialen versehenen Kupferstich der Heiligen Familie sind rechts von Anna ihre weiteren zwei Ehemänner dargestellt. Vielleicht lag dem Maler dieser Kupferstich vor, denn die Profilleisten des Throns sowie die Verzierung der Lehne mit Krabben auf der Tafel kommen denen des Kupferstichs sehr nahe. Es ist aber auch sehr gut möglich, dass diese Gestaltung und die Komposition über Tafelgemälde anderer Kollegen vermittelt wurden, die ihrerseits auf den Stich Bezug nahmen. Dass der Maler Dürers signierten und 1514 datierten Kupferstich Maria mit dem Kind an der Mauer kannte, ist sehr wahrscheinlich, denn das Arrangieren des Kleids, des Mantels sowie des Kopftuchs der gemalten Anna folgt auffällig nahe dem Mariens im Kupferstich.5 Das Jesuskind mit den übereinandergesetzten Füßchen geht - direkt oder indirekt - auf den Holzschnitt Dürers Die Heilige Familie mit den drei Hasen zurück, der um 1497 datiert wird 6 Anstelle eines Buches hat der Maler allerdings ein anderes Objekt ausgesucht. Das Kind greift nach einem Apfel, der ihm neben Trauben und Birnen von seiner Großmutter auf einem schwarzgrundigen Teller gereicht wird. Hier wird die gesamte Heilsgeschichte auf einem Obstteller dargestellt.7 Die Paradiesfrucht des Apfels erinnert an den Sündenfall, die Weintrauben an die Eucharistie mit der Weihe des Weins, durch den das Sühneopfer Christi vergegenwärtigt wird. Die etwas später entstandene Darstellung der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, die dem in Antwerpen tätigen Pieter Cocke van Alst zugeschrieben wird, kennt ebenfalls dieses Motiv.8 Da anderen Kollegen und mir keine weiteren Werke dieses Malers bekannt sind, über die weitere Anhaltspunkte gewonnen werden könnten, kann eine Eingrenzung des Herstellungsgebiets der Tafel nur anhand verschiedener Merkmale vorgenommen werden.9 Charakteristisch für den Maler sind die Kopftypen der Frauen mit den rundlichen Gesichtern und dem kirschförmigen Mund, den sich kugelförmig abzeichnenden Augäpfeln und den nur als Schlitz geöffneten Augen. Die mit Blattgold belegten Nimben sind in verschieden breite Kreissegmente aufgeteilt, die in den Kreidegrund graviert und mit Schwarz ausgemalt wurden. Auch wenn die Kopftypen an die einer Tafel mit der Heiligen Sippe erinnern, die sich in der katholischen Liebfrauenkirche in Oberwesel (Rhein-Hunsrück-Kreis, Rheinland-Pfalz) befindet, sehe ich keine weiteren Anhaltspunkte, die für eine Entstehung der Tafel am Mittelrhein sprechen.10 Das Kolorit erinnert u. a. an ein Retabel in der katholischen Pfarrkirche St. Marzellinus und Petrus in Vallendar (Landkreis Mayen-Koblenz, Rheinland-Pfalz), das dem in Köln tätigen Jüngeren Meister der Heiligen Sippe zugeschrieben wird.11 Es ist ebenfalls ein helles Kolorit, das beim Mantel des knienden Königs das mit Weiß abgetönte Rot verwendet wie es bei Annas Mantel bei der Heiligen Familie vorkommt.12 Annähernd vergleichbar ist hier auch der Kopftypus des stehenden Königs mit dem des Joseph auf der Familientafel sowie der der Marien. Möglicherweise ist auch die Tafel der Heiligen Familie in Köln entstanden. Teil eines Retabelflügels? Die Bearbeitungsspuren auf der Rückseite der Tafel und ihrer Ränder legen es nahe, dass die Tafel von einem Retabelflügel abgespalten wurde. Wie beispielsweise bei der Darstellung der Anna Selbdritt auf dem 1518 datierten Retabel in der evangelischen Kirche in Seifersdorf (Kreis Dippoldiswalde, Sachsen) könnte sich ober- oder unterhalb der Heiligen Sippe eine weitere Darstellung befunden haben. Die Einschätzung zu der Tafel erfolgte auf Basis von Bilddateien, die mir Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf GmbH zur Verfügung gestellt hat. Kronberg im Taunus, 26. August 2016 Dr. Michaela Schedl"" Wir danken Frau Dr. Schedl herzlich für Ihre umfangreiche Expertise zu der hier angebotenen Tafel. Weiters möchten wir Dr. Bernd Konrad, Radolfzell, Dr. Bodo Brinkmann, Kunstmuseum Basel, sowie Gabriel Dette, TU Darmstadt, für ihre fachkundigen Bemerkungen danken. 2 Zur Heiligen Famile vgl. H. SACHS, ""Familie, Heilige"", in: Lexikon der christlichen Ikonographie, 8 Bände, Sonderausgabe, Darmstadt 2015, hier 2, Sp. 4-7. Zur Anna Selbdritt vgl. J. H. EMMINGHAUS, ""Anna Selbdritt"", in: ebd., hier 5, Sp. 185-190, bes. 188 f. 3 Festgestellt von Dr. Bodo Brinkmann, Basel (E-Mail vom 10.08.2016 an Luisa Senkowsky, Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf) sowie Dr. Bernd Konrad, Radolfzell. 4 Zu diesem Kupferstich vgl. British Museum London, in: http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details.aspx?obj ectId=1401929&partId=1&searchText=meckenem&page=4 (Zugriff: 26.08.2016). 5 Zu diesem Kupferstich vgl. British Museum London, in: http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details.aspx?obj ectId=764722&partId=1&searchText=d%25u00fcrer+wall&page=1 (Zugriff: 26.08.2016). 6 Auch festgestellt von Gabriel Dette M. A., Darmstadt (E-Mail vom 22.08.2016 an Luisa Senkowsky, Hargesheimer). Auch der vorher genannte Kupferstich Dürers von ihm genannt. - Zu dem Holzschnitt vgl. British Museum London, in: http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_details.aspx?obj ectId=1339432&partId=1&searchText=d%25u00fcrer+hares&page=1 (Zugriff: 26.08.2016). 7 So angemerkt von Dr. Bodo Brinkmann, Kunstmuseum Basel. 8 Zu dieser Tafel vgl. Bildarchiv Foto Marburg, http://www.bildindex.de/document/obj00003015 (Zugriff: 26.08.2016). 9 Überprüft wurden Bildarchiv Foto Marburg, Rheinisches Bildarchiv (online) sowie Alfred STANGE, Deutsche Malerei der Gotik, 11 Bände, Berlin 1934-1961, hier 5: Köln in der Zeit von 1450 bis 1515, sowie 6: Nordwestdeutschland in der Zeit von 1450 bis 1515; Altdeutsche Gemälde. Köln und Nordwestdeutschland. Vollständiger Katalog, Text- und Tafelbd. Bayerische Staatsgemäldesammlungen Alte Pinakothek, München bearb. von Giesela GOLDBERG und Gisela SCHEFFLER, München 1972; Wallraf-Richartz-Museum Köln. Vollständiges Verzeichnis der Gemäldesammlung, Red.: Martina SCHLAGENHAUFER, Mailand 1986; Die deutschen, niederländischen und italienischen Tafelbilder bis um 1530, bearb. von Paul PIEPER, 2., verb. und um das Register erw. Aufl., Münster 1990. 10 Dieses Werk zum Vergleich von Gabriel Dette, M. A., Darmstadt angeführt. - Eine Abb. der Tafel bei: Inschriftenkatalog, DI 60, Rhein-Hunsrück-Kreis I, Nr. 123 (Eberhard J. NIKITSCH), in: www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-di060mz08k0012301 (Zugriff: 23.08.2016). - Zur Malerei der Spätgotik am Mittelrhein vgl. Michaela SCHEDL, Tafelmalerei der Spätgotik am südlichen Mittelrhein, Mainz 2016. 11 Zu diesem Meister vgl. Frank Günter ZEHNDER, Katalog der Altkölner Malerei. Wallraf-Richartz-Museum, Köln (= Kataloge des Wallraf-Richartz-Museums 11), Köln 1990, S. 271. - Dieser Meister auch von Dr. Stephan Kemperdick, Berlin, genannt. 12 An eine mögliche Entstehung der Tafel in Köln aufgrund des Kolorits denkt auch Till-Holger Borchert, Direktor der Musea Brugge."

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